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obdachlose in baracken verfrachtet

Obdachlose in Blechbaracken verfrachtet
 
 
Die WM ist längst vorbei, ja hierzulande sogar teilweise vergessen die Fußballgedanken verfliegen. Die Stadien in Südafrika werden nicht mehr mit gigantischen Wattzahlen angestrahlt.
Doch die Grenze zwischen Arm und Reich befindet sich nur wenige 100 Meter vom Stadion entfernt, wer hinter ihr lebt leidet immer noch unter der WM.
Selbstverständlich wollte Südafrika sich zu diesem Event von seiner besten Seite zeigen. Negative Bildpunkte mussten verschwinden.
Wie Tiere brachte man die Obdachlosen per LKW-Ladungen nach Blikkiesdorp. Man wies ihnen ihre Baracke zu, registrierte sie und machte sich im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub. Ebenso wie Nadine, Dolly, Suleija und Johannes erging es 10.000 anderen. 5.000 sollen noch dazu kommen. Wellblechhütten, soweit das Auge sieht. Wand an Wand stehen 2.000 Container, deren Wände so dünn sind, dass eine einfache Schere sie zerschneiden könnte. Toiletten und Waschbecken teilen sich die Bewohner dreier Baracken gemeinsam. In jeder von ihnen wohnen mindestens sechs Personnen.
Die von Stachheldraht umzäunte Siedlung erinnert an die Arpartheidsregierung der 50er Jahre. Die Blechcontainer sind jeweils exakt 25 Quardratmeter groß. In ihnen entsteht im Winter schneidende Kälte und im Sommer glühende Hitze.
 
Symphonie Way heißt das “Dorf” ursprünglich. Doch die Bewohner nennen es spöttisch Blikkiesdorp was aus der afrikanischen, ihnen viel vertrauteren Sprache kommt und schlicht und einfach Blechdorf heißt. Dabei könnte die umgebung wunderschön sein. Doch davon ist herzlich wenig zu merken. Überall auf dem Boden liegt Müll herum, sowohl Klopapierfetzen als auch leere Tüten oder Flaschen, es riecht nach Exkrementen und ungewaschener Kleidung. “Die Fußball-WM ist eigentlich gar nicht so schlecht,” findet Nadine (42) “die Sache ist nur, dass sie uns loswerden wollen.”
Auch sie lebt nur einen Steinwurf entfernt von den teuren Apartements.
 
Ernährt wird sich von Essensresten aus Mülltonnen. “Eigentlich ist es ja schrecklich, dass wir hier hungern, während andere es sich leisten können, ihr überflüssiges Essen einfach zu entsorgen. Aber ich will mich nicht beklagen, täten sie es nicht, wovon sollten wir leben?“ Unter einer umgestülpten Plastikschüssel hütet Nonsolo ihren Schatz, einen halben Leib Brot. Billigste Konserven sind für die Bewohner der Gegend ein Festschmaus.
 
Nur sehr selten und mit ganz viel Glück landet die eine oder andere Münze als Almosen in ihren offenen Händen. Nadine (43) verdient sich ein Bisschen Geld indem sie tagsüber Fahrzeuge auf einem Parkplatz einwinkt. Andere waschen Autos, erledigen Gartenarbeiten tragen die Einkäufe. Die Arbeit bringt nur wenig Geld ein, in Deutschland würde es nicht für eine einzige Mahlzeit ausreichen, doch es erhöht das Selbstwertgefühl.
 
Im Notfall helfen sich die Blikkiesdorper auch mit kleinen Diebstählen. Vielleicht ist das die Ursache für das ständige Erscheinen der Polizei. Sobald in der Stadt etwas vorfällt, kreuzen sie hier auf. Das beginnt mit der Suche eines Flip-Flops bis hin zu schwerwiegenderen Dingen wie Missbrauch oder Totschlag. Johannes verbrachte schon mehr als nur eine Nacht in der Zelle, jedes mal Anschuldigungen ohne auch nur den Hauch eines Zusammenhangs mit ihm.
 
Der Pressesprecher „Pieter Cronje“ reagiert trotz wiederholter Anfrage nicht. Der Grund ist offensichtlich: Davon will niemand etwas hören, ganz zu schweigen von lesen. Die Nachricht ist zu unbequem und sicherlich wäre auch die Regierung mit solchen Schlagzeilen nicht ganz einverstanden.
 
Suleija Ross (49): „Hier herzukommen war wie Freude gegen Traurigkeit einzutauschen.“ Aufgewachsen ist sie im Waisenheim, wo sie mit 13 Jahren verstoßen wurde. Seitdem lebte sie auf der Straße. Hier bekam sie einen Sohn und eine Tochter. Sie hatte die kleine zu Verwandten gegeben, um ihr das Trostlose leben zu ersparen, das man hier erfährt. Auch gemeinsam mit den beiden Kindern hatte sie zuvor in einem Park in Woodstock gelebt. Die Obdachlosen dort kannten sich alle persönlich und sorgten füreinander wie eine Familie. Suleijas Nachwuchs besuchte den Kindergarten von WIN, sie selbst arbeitete bei einem Recycling–Projekt von WIN mit. Und - darauf ist sie besonders stolz – mit Ronnies Hilfe machte sie eine Entziehungskur.
 
WIN steht für „Women in Need“(=Frauen in Not). Es ist ein kleines Projekt in Zusammenarbeit mit „Missio“ unter Leitung von „Ronnie Mehl“. „Die Frauen sind vielleicht nicht immer perfekte Mütter, aber sie lieben ihre Kinder“. Ronnie Mehl (54) möchte verhindern, dass aus obdachlosen Kindern wieder Obdachlose werden. „Ich bin selbst in Armut aufgewachsen und weiß, wie Armut die Würde beeinflusst“ Sie befürchtet, dass Blikkiesdorp ein Dauerzustand wird. Geplant ist zwar die Obdachlosen nach der WM in tausende modellgleiche Wohnungen umzusiedeln (und dieser Vorgang hat längst begonnen), doch ein solches „government house“ beantragten bisher über 400.000 Menschen. Und dieser Wert steigert sich immer noch. Die Wartezeit beträgt also womöglich ein paar Jahrzehnte.

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